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Sechs Tage, hundert Meilen und ein paar Erkenntnisse

Joerg Kuehn · Aug 21, 2025 · Leave a Comment

2012 bin ich den Jakobsweg in Spanien gelaufen – 800 km, eine Erfahrung, die mein Leben verändert hat. Dreizehn Jahre später spürte ich den Ruf, wieder einmal aufzubrechen. Nicht ganz so weit dieses Mal, aber doch weit genug, um meinen Alltag einmal hinter mir zu lassen und in etwas Größeres einzutreten.

Ich entschied mich für den South Downs Way, einen 160 km langen Weg durch sanft geschwungene Hügel von Winchester bis Eastbourne in Südengland. Auf der Karte wirkte es machbar. Ich dachte: das kriegst du hin. Doch die Karte zeigte das Wichtigste nicht … die Lektionen 😊.

Gleich am ersten Morgen fiel wegen einer massiven Signalstörung die Bahn aus – mein früher Start war dahin. Als ich endlich in Winchester ankam, war es bereits Mittag, und mein Plan zerstört. So begann meine erste Lektion: Anpassen ist ein Muss. Dieser Weg war nicht der Jakobsweg – keine Cafés alle paar Kilometer, wenige Mitpilger (am ersten Tag traf ich gerade einmal drei Wanderer), und auch Rastmöglichkeiten gab es kaum. Ich musste lernen, anders zu planen: mehr Essen im Rucksack, den Wasserstand immer im Blick, und manchmal einfach an einer Farmtür klopfen, um meine Flaschen aufzufüllen (die Menschen waren unglaublich freundlich!). Mir wurde klar: Den Plan flexibel anzupassen, war existenziell!

Von Winchester aus öffnete sich die Landschaft: Hügel, Felder, der stille Sommerhimmel. Ich war dankbar für meine Vorbereitung – richtige Wanderschuhe vom Fachgeschäft, ein leichtes Zelt, eine gute Isomatte, ein Kocher, der in drei Minuten Wasser heiß machte. Meine Kleidung war atmungsaktiv und wärmend. Klar: gute Vorbereitung nimmt keine Steigungen weg. Aber sie macht sie bewältigbar.

Und doch: die Kilometer waren hart. Da ich einen halben Tag verloren hatte und direkt nach der Rückkehr eine Geschäftsreise anstand, hatte ich nur fünfeinhalb Tage für 170 km – inklusive Abstecher in Dörfer für Nachschub. Schon am zweiten Tag begann ich zu rechnen: Wenn ich heute so viel schaffe, dann bleiben morgen noch so viel und dann … Dieses ständige Rechnen legte sich wie eine zusätzliche Last auf meinen ohnehin schon schweren Rucksack.

Am späten Vormittag war mein Kopf so voller Zahlen, dass es nervte. Mein guter Kumpel Jürgen sagt immer: „Wer rechnet, rechnet immer zweimal!“ Also beschloss ich mittags: Schluss damit. Einfach atmen und gehen. Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug. Das war gut, denn das natürliche Gehen übernahm den Rhythmus. Der Rucksack blieb schwer, aber mein Kopf wurde leicht.

Wild campen ist in England offiziell nicht erlaubt. Aber wenn man spät ankommt, früh wieder aufbricht und respektvoll mit dem Land umgeht, wird es oft stillschweigend geduldet. Ganz ohne Risiko war es dennoch nicht –  und vor allem immer ein Spagat zwischen dem Wunsch, früh zu rasten, der Notwendigkeit, einen versteckten Platz zu finden, und dem Zeltaufbau erst bei Dämmerung.

Da gab ich mir eine neue Regel: Alles wird gut. Ich vertraue darauf, dass das Universum die richtigen Plätze zur richtigen Zeit bereithält. Klingt vielleicht verrückt, aber es funktionierte.

Jeden Abend fand ich irgendwie wunderschöne, versteckte Zeltplätze, oft mit Ausblicken und Sonnenuntergängen, die jede Mühe wert waren.

Je mehr ich draußen schlief, desto mehr spürte ich: Wir sind ok in der Natur. Anfangs fühlte es sich komisch an, mit Kühen oder Schafen auf der Wiese zu liegen. Doch mit der Zeit wurde es stiller in mir, ich wurde Teil davon. Eine Maus huschte am Zelt vorbei, die Schafe grasten leise. Frieden. Zugehörigkeit. Ich fühlte mich sicherer, als ich jemals gedacht hätte.

Natürlich nahm das die Herausforderung nicht weg. Ich musste im Schnitt 30 km am Tag schaffen. Nach zwei Tagen lag ich weit zurück – erst 44 km insgesamt. Aber statt in Panik zu verfallen, begann ich auf meinen Körper zu hören. Am dritten Tag schaffte ich fast 35 km, angetrieben von Kaffee, Schokolade und lautem Mitsingen zu meiner iTunes-Playliste. Abends war ich dann komplett durch und zu müde um auch nur irgendetwas zu essen. Ab da strukturierte ich meine Tage neu: mindestens drei längere Pausen, sanftes Weiterlaufen in den Abend, aufhören wenn der richtige Zeltplatz kam und dann dem Körper genug Ruhe gönnen. Es funktionierte, auch wenn es anstrengend blieb.

Mein Begleiter unterwegs war das Hörbuch „Backpacking with the Saints“. Der Autor verbindet Wandern mit spiritueller Weisheit. Eine Botschaft blieb hängen: Es geht nicht ums Abliefern. Es geht vor allem um Dankbarkeit und Freude. Auf dem Camino gab es am Ende ein Zertifikat. Hier nicht. Kein Applaus. Und doch – als ich in Eastbourne ankam, war ich erfüllt … voller Freude und Dankbarkeit für die Natur, das Land, die Menschen in meinem Leben, die Freundlichkeit von Fremden.

Beim Wandern über die Wiesen und Felder fiel mir ziemlich schnell auf, dass der Boden voller Steine war. Es war mir ein Rätsel, wie hier etwas wachsen konnte! Und doch hatten die Bauern gelernt, mit der dünnen Schicht Muttererde über dem Kalkboden irgendwie zu arbeiten. Weizen, Gerste, Hafer und Weideland. Eine stille Erinnerung: Wachstum braucht keinen perfekten Boden. Es braucht vor allem Ausdauer.

Die langen, einsamen Tage gaben mir viel Zeit zum Nachdenken. Ich bin nun elf Jahre selbständig als Coach. Mehr als ein Jahrzehnt verheiratet mit meiner wunderbaren Frau, wir wohnen zusammen mit unserer Katze Rosie in unserem neuen Zuhause in London. Darüber hinaus gibt es einen Kreis guter Freunde.

Als ich so wanderte, wurde mir bewusst, dass es meine erste volle Woche ohne Computer und Kundentermine seit über zehn Jahren war. Ein Luxus, der mich daran erinnerte: Es gibt nichts gutes ausser man tut es. Manchmal müssen wir einfach raus und uns etwas gönnen, das unsere Seele nährt. Manchmal müssen wir auch für uns selbst sorgen.

Für mich bleiben diese Sommertage auf den South Downs – die Getreidefelder, die Schafe, die Sonnenuntergänge, die Stille, die Einsamkeit, die weiten Himmel – lebendig. Es war mehr als eine Wanderung. Es war eine Erinnerung daran, was wirklich zählt.

Daher meine Frage an dich diesen Monat:

Was ist dein nächstes Abenteuer, das du nur für dich unternimmst?

Nicht, um etwas zu beweisen. Nicht, um eine Liste abzuhaken. Sondern um dich zu nähren. Lebendig zu sein. Gegenwärtig. Voller Freude.

Auf geht’s!

Joerg

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Deutscher Blog Ausdauer, Backpacking, Freude, Hiking, mit Stress umgehen, Selbstverwaltung

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