• Skip to primary navigation
  • Skip to main content

JK Executive Coaching

Just another WordPress site

  • Home
  • Services
    • Executive Coaching
    • Business Coaching
    • Team Coaching
  • Books
    • Go Your Own Way
    • Geh Deinen Weg
  • Blog
    • English Blog
    • Deutscher Blog
  • About Joerg
  • Contact
    • Privacy Statement
  • Show Search
Hide Search

Warum Seufzen wichtig ist …

Joerg Kuehn · Jan 28, 2026 · Leave a Comment

Letzte Woche habe ich im Büro meines Kunden in Hongkong gearbeitet, wo wir derzeit gemeinsam tief in einem größeren Projekt stecken. Normalerweise genieße ich die Energie dieses neu eingerichteten Großraumbüros mit Blick auf den Hafen. Es ist ein junges, dynamisches Team – und die Atmosphäre spiegelt das wider.

Mitten unter ihnen fiel mir etwas Kleines auf, das mich überraschend berührte. Ab und zu ließ ein Kollege einen deutlich hörbaren Seufzer los … ein tiefes Einatmen, gefolgt von einem langen, ununterbrochenen Ausatmen durch den Mund, oft begleitet von einem leisen Laut, der sich wie das Abwerfen einer Last anfühlte.

Als ich das einmal genauer beobachtete, merkte ich, dass es nicht nur eine Person war. Mehrere andere taten im Laufe des Tages dasselbe. Wenn ich beiläufig nachfragte, was sie gerade beschäftigte, konnten sie meist ein paar Kleinigkeiten benennen … eine neue E-Mail, eine Teams-Nachricht, eine kleine Komplikation … aber nichts Dramatisches oder Überwältigendes. Es wirkte, als sei das Seufzen einfach eine Art, den ganz normalen Arbeitsdruck zu regulieren.

Photo by Amandine Lerbscher on Unsplash

Was mich am meisten überraschte, war die Selbstverständlichkeit. Niemand fühlte sich gestört. Niemand entschuldigte sich. Niemand erklärte etwas. Der Seufzer war da – und die Arbeit ging weiter. Dabei wurde mir bewusst, wie selten ich dieses Geräusch in europäischen Büros höre, wo Seufzer oft geschluckt, abgeschwächt oder ganz zurückgehalten werden.

Diese Beobachtung machte mich neugierig. Könnte es sein, dass wir vom Seufzen etwas lernen können? Dass es tatsächlich etwas Hilfreiches tut, statt bloß Frustration zu signalisieren? Also begann ich, ein wenig nachzuforschen.

Zunächst fragte ich mich, was einen „richtigen“ Seufzer eigentlich ausmacht. Es stellte sich heraus, dass ein echter physiologischer Seufzer nicht einfach nur ein tiefer Atemzug ist. Er besteht aus zwei Einatmungen. Die erste füllt den Großteil der Lunge, die zweite kurze „Auffüll-Einatmung“ öffnet sie noch ein Stück weiter. Darauf folgt ein langes, langsames Ausatmen, manchmal begleitet von einem tiefen, lösenden Laut oder einem sanften Summen.

Dieses Muster hilft uns offenbar dabei, winzige Lungenbläschen – sogenannte Alveolen – wieder zu öffnen, die mit der Zeit kollabieren können, wenn wir überwiegend flach atmen. Das erklärt auch, warum wir viel häufiger seufzen, als uns bewusst ist.

Tatsächlich seufzen wir im Durchschnitt etwa alle fünf Minuten. Das ist notwendig, denn ohne regelmäßiges Seufzen würde der Sauerstoffaustausch in der Lunge abnehmen und unsere Atmung ineffizienter werden. In diesem Sinne wirkt der Seufzer wie eine Art Reset-Taste für die Elastizität der Lunge.  Anders gesagt: Wir seufzen nicht, weil etwas falsch läuft. Wir bleiben funktionsfähig, weil wir seufzen.

Weil diese Funktion so grundlegend ist, ist das Seufzen direkt im Hirnstamm verankert. Forschungen der Stanford University haben eine kleine Gruppe von Nervenzellen identifiziert, deren einzige Aufgabe es ist, Seufzer auszulösen. Das bedeutet: Seufzen ist kein erlerntes Verhalten, das wir einfach verlernen könnten. Der Körper übernimmt das für uns – ob wir es bewusst zulassen oder nicht.

Doch über die reine Funktion der Lunge hinaus hat das Seufzen auch eine starke psychologische und nervensystemische Wirkung. Neurowissenschaftliche Forschung zeigt, dass physiologische Seufzer Stress schneller reduzieren können als langsames Atmen allein. Dabei scheint es weniger um das Einatmen von mehr Sauerstoff zu gehen, sondern vielmehr um das lange, ausgedehnte Ausatmen danach – eine kurze Pause, die den Vagusnerv stimuliert, dem Körper erlaubt, den Kohlendioxidgehalt sanft ansteigen zu lassen, und dem autonomen Nervensystem Sicherheit signalisiert. Das könnte erklären, warum Seufzer so oft kurz vor einem Gefühl der Erleichterung auftauchen.

Wenn du magst, kannst du es jetzt einfach mal selbst ausprobieren.

Atme tief durch die Nase ein. Wenn du denkst, du bist fertig, fülle den Atem ganz sanft noch ein wenig auf. Öffne dann den Mund und lass die Luft langsam mit einem leisen Seufzer entweichen … einem Klang des Loslassens und der Hingabe. Wiederhole das ein weiteres Mal. Vielleicht bemerkst du eine subtile, aber unmittelbare Beruhigung – als hätte jemand im Inneren kurz auf „Reset“ gedrückt.

In westlichen Kulturen wird Seufzen manchmal als Ungeduld, Desinteresse oder Bewertung interpretiert. Viele Menschen halten es deshalb zurück, um soziale Reibung zu vermeiden. Was stattdessen oft passiert, ist, dass Stress stärker verinnerlicht und verkopft wird, als eigentlich nötig wäre.

Vielleicht erlaubst du dir beim nächsten Seufzer, der sich ankündigt – und er wird sich ankündigen – ihn einfach zuzulassen. Atme durch die Nase ein, fülle den Atem auf, und lass alles mit einem Laut deiner Wahl wieder hinaus.

Vielleicht ist Seufzen nichts, was man vermeiden sollte, sondern etwas, das man nutzen kann. Manchmal entsteht Erleichterung nicht dadurch, dass wir mehr verstehen, sondern einfach dadurch, dass Luft den Körper verlässt.

 

 

 

Please subscribe to our inspirational monthly newsletters!

We keep your data private and confidential.See our Privacy Policy for more information.

Check your inbox or spam folder to confirm your subscription.

Deutscher Blog Ausdauer, mit Stress umgehen, Pause, Positive Einstellung, Resilienz, Selbstverwaltung, Unterstützung

Reader Interactions

Leave a Reply Cancel reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Please connect here:

Copyright © 2026 · Monochrome Pro on Genesis Framework · WordPress · Log in

We use cookies to ensure that we give you the best experience on our website. If you continue to use this site we will assume that you are happy with it.